13.05.2012


Ich weiß, was es heißt, glücklich zu sein


wir zwei stehen hier also zu dritt und
halten die Hand fester. so viel Grün, wie uns
der Frühling schenkt, überrascht uns dann
doch, das hätten wir nur im Traum
gedacht. nicht im Traum aber spiegeln wir
uns im Weiher und sehen Entenküken
nach, die eine Spur ziehen im Wasser.
am Horizont leuchten die Berge weiß, wir
warten noch eine Weile, schwimmen
weiter, dem Ufer zu




05.05.2012

Geständnis


nichtsdestotrotz:
die Entscheidung
zu Schweigen
obliegt einzig
dem Verfasser
dieser Zeilen

28.04.2012

Drama Slam

DRaMa SLaM XXII – Die Stücke stehen fest!

Während die nächste Ausschreibung für DRaMa SLaM XXIII noch bis zum 19. Mai läuft, freuen wir uns diese Woche über zahlreiche Einsendungen von beeindruckender Qualität und machten es uns nicht leicht die sieben Besten zu erwählen, die am Sonntag, dem 29.April um 19:00 im TAG um die DRaMa SLaM Krone Nr. 22 wettzustreiten.
Es sind dies:

Die letzte Tür von Andreas Rockenbauer
Der Sprung von Anne Frütel
Der König Blaubart von St.Pölten von Daniela Stockinger
Staatsbürgerschaftsdrama von Günther Windisch
Es zerbricht in meinen Händen von Moritz Beichl
Die Höhle von Raoul Biltgen
Das H in der Suppe von Robert Kleindienst und Timna Mayer
sowie dem Siertext der 2. NÖ Drama Slam in St.Pölten:
du gehst zu spät schlafen und stehst zu früh auf und das sieht man auch
von Selina Schobel

http://www.dramaslam.eu/?p=681

12.04.2012


Wir leben von einer Sekunde auf die andere, ohne Zeit zu verlieren.

12.03.2012

plötzlich Morgen, und wieder wissen wir nicht, weshalb uns der Kopf in den Sternen steht


4 Uhr 14.
noch regnet es, noch
schlägt das Herz so unruhig,
dass man es nicht versteht.
aber man hört jetzt mehr
auf den Regen am Glas,
der langsam verstummt
in der Kälte



05.03.2012

In die Luft gehen


Wir warten und warten und warten darauf, endlich zu fliegen und sind doch schon längst in die Luft gegangen.



29.02.2012

Lied


Nimm hin mein Lied -
Es ist nicht froh,
Der Regen weint und weint.
Und wer ihn sieht
Weiß sowieso,
Wie es das Glück gemeint.

Es ist vorbei
Die helle Zeit,
Die Lachen uns gelehrt.
Sie ging entzwei,
Zwiespalt gedeiht -
Wenn auch die Welt sich wehrt.

Kehrt sie zurück?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht weiß es der Wind.
Er kennt das Glück,
Wenn's nicht zerbricht,
So sagt er's uns geschwind.

Doch sieh, der Wind
Verbirgt sich doch -
Er ist ja gar nicht da.
Ganz wie ein Kind,
So glaubt er noch:
Nur er weiß, was geschah.

Nimm hin mein Lied.
Vielleicht bringt es
das Lachen einst zurück.
Und wer es liest,
Der sagt: Ich seh's,
und meint damit das Glück.

(Selma Meerbaum-Eisinger, 1924 - 1942)


15.02.2012


Im Dunkel kann man die Nacht besser sehen.



06.02.2012

vor dir, Aufgetürmtes


wach auf, es ist Schnee.
es ist Schnee,
und in den Regionen abseits
des Winters spricht man
vom Sterben der Palmen.

du kannst, nein,
du könntest dem Schlaf
widerstehen, der mich weiter
ins Sandige treibt. es ist Schnee.
und du ahnst nichts von dem,
was man sagt.

ich kann, nein,
ich könnte dich schlafen lassen,
im Winter,
im Sand





27.01.2012

Später vielleicht

Ela12.VI 1905-28.IV 1942. Hana 13.IX 1916-4.VIII 1942. Nelly 25.VI 1937-18.XII 1943.

Die Namen waren so dicht aneinander geschrieben, dass sie nach und nach verschwammen. Siebenundsiebzigtausendzweihundertsiebenundneunzig jüdische Bürger Böhmens und Mährens. Oder nur die Ziffer 77.297 auf Papier. Existenzen, eines jeden einzelnen Leben, Existenzen, zu Zahlen reduziert. Die Ungeheuerlichkeit der Taten erhält sinnlich wahrnehmbare Gestalt, las er im Reiseführer und beobachtete ein jüdisch-orthodoxes Ehepaar, das sich von der Wand abwandte. Er verließ die Synagoge und ging hinaus in die zweite Kälte, auf den alten jüdischen Friedhof. Schnee hatte sich auf die schiefen Steinplatten gelegt, und es schien, als wären sie im Boden verwurzelt und würden nach oben hin auswachsen. An diesem Ort hatte er vor Jahren einen Stein vom Grab Rabbi Löws, dem Prager Oberrabbiner und angeblichen Schöpfer des Golems, genommen und als Andenken in seine Hosentasche gesteckt. Später hatte er nachgelesen, dass es jüdischer Brauch war, ihren Verstorbenen Steine auf die Gräber zu legen. Er zog den Stein aus seiner Manteltasche und legte ihn wieder an die für ihn bestimmte Stelle, in der Hoffnung, Rabbi Löw würde ihm verzeihen.
(Auszug aus dem Roman "Später vielleicht", Verlag Skarabäus, S. 90/91)